Auf dem Weg zum Kreativquartier
„Wir wollen keine Rüttenscheider Straße werden und auch kein zweites Bermuda-Dreieck. Aber wir wollen die Nähe zur Uni nutzen und unser jetzt aufgewertetes Kreativquartier aufrüsten“, sagt Frank Baumeister, stellvertretender Vorsitzender der Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) Nördliche Innenstadt, zur Standortbestimmung rund um Kreuzeskirche und Weberplatz.
An einem Ort mit Symbolcharakter, nämlich in der seit rund zwei Jahren leerstehenden Wandelbar auf der Rottstraße, ist die nördliche Innenstadt jetzt von der Gesellschaft Ruhr 2010 in die Reihe der Kretativquartiere aufgenommen worden. Das war die zweite gute Botschaft innerhalb weniger Tage, nachdem die ISG mit ihrem geplanten „Kultur-Parcour“ auch eines von drei Essener Projekten für das NRW-Programm „Die besten Ideen für die Innenstädte“ der Landesregierung stellt.
Baumeister spricht von einem „entscheidenden Rückenwind: Wir wollen auch andere Schichten in dieses Viertel führen. Viele Leerstände bieten ja auch ein Potenzial und eine Chance.“ Mit der Unterstützung durch Ruhr 2010 und das Land gebe es künftig nicht nur logistische Hilfestellung bei der Vermittlung von Künstlern und Designern, sondern auch die Möglichkeit, an finanzielle Ressourcen zu kommen.
Im Wohnquartier gebe es viele Marktplätze: „In diesen öffentlichen Raum müssen wir reinkommen.“ Der ISG schwebt u.a. ein Designer-Markt vor, aber auch eine städtebauliche und kulturelle Belebung rund um die Kreuzeskirche und den Weberplatz. Mit Angeboten aus der Unterhaltung und der Gastronomie habe sic h der Standort bereits einen Namen als Vergnügungsviertel gemacht. Baumeister hält das für ausbaufähig: „Moderate Mieten, kreative Eigentümer und Vermieter sowie Anfragen von Freiberuflern aus der Kreativwirtschaft begründen die Hoffnung, dass der Umbau des Quartiers begonnen hat.“
Viel verspricht man sich von den Planungen des Stuttgarter Investors Klaus Wolff, der die nördliche Innenstadt für sich entdeckt hat. Noch sind wichtige Details offen, aber es zeichnen sich doch schon deutliche stadtplanerische Konturen ab. Der Investor hat die denkmalgeschützte Kreuzeskirche inzwischen erworben und vermietet sie an die Gemeinde zurück. Ihre Nutzung durch die Gemeinde soll auch weiterhin oberste Priorität haben. Denkbar sind aber auch verstärkt Konzerte und Lesungen, auch ein Skulpturengarten könnte angelegt werden.
Käme es endlich zum Abriss des Parkhauses an der Rottstraße, könnten an dieser Stelle ein Hotel und eine Tiefgarage mit 300 Plätzen und Zufahrt über die Kastanienallee entstehen. Eine städtebauliche Neuordnung müsste wohl auch den Weberplatz mit einbeziehen. Dann wäre auch über eine Verlagerung des Hauses der Begegnung nachzudenken.
Quelle: WAZ vom 05.03.2010 / Lokales
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