Nord-City soll Studi-Viertel werden

Die Essener Uni könnte ihre akute Raum-Not lindern, indem sie kurzfristig leere Läden und Büros in der nördlichen City mietet. Das schlagen Vertreter der „Immobilien- und Standortgemeinschaft Nördliche Innenstadt“ (ISG) vor.

Die Gruppe versucht nach Fehlschlägen in jüngster Zeit einen Neustart. Erklärtes Ziel: Das schwierige Viertel zwischen Viehofer Platz, Kopstadtplatz und Flachsmarkt, das seit Jahrzehnten auf eine Vitalisierung wartet, zum Kreativ-Quartier umzugestalten. „Wir wollen gezielt junge Leute, Studenten und Künstleranwerben – zum Beispielmit preiswertem, zentral gelegenen Raum für Ateliers“, sagte Frank Baumeister vom Vorstand der Interessengemeinschaft am Mittwoch bei der Vorstellung der Pläne.

Als neue Quartiersmanagerinnen wurden Thordis Lepak von Kostka und Carola Lemke vorgestellt. Sie sind Arnd Jenne gefolgt, der vor einem Jahr das Handtuch geworfen hatte. Die Interessengemeinschaft ISG existiert in ihrer derzeitigen Form seit April 2005. Der Verbund von Geschäftsleuten und Immobilienbesitzern ist bestrebt, den Verfall des Viertels aufzuhalten.

Das Nachtleben entwickelt sich im Quartier auch recht erfreulich: In direkter Nähe zum GOP-Varieté hat sich eine beachtliche Zahl von Discos angesiedelt, z. B. das „Essence“, das „Mikatronic“ und, ganz neu in diesem Jahr, das „Naked“, das in die Räume einer früheren Table-Dance-Bar eingezogen ist. Doch bei Tageslicht meiden viele Bürger das Nordviertel, und weitere Händler ziehen aus. Beispiel Rottstraße: Die katholische Buchhandlung – umgezogen. Der Supermarkt – weg. (Für ihn soll bald ein Netto/Plus-Markt einziehen.) Das gammelige Parkhaus an der Ecke – immer noch nicht abgerissen, vielen Ankündigungen zum Trotz.

Um zum Kreativ-Quartier zu werden, möchten die Organisatoren gerne der Uni Räume zur Verfügung stellen – denn leere Büros und Läden sind ja genug da. „Wir haben positive Signale erhalten“, berichtet Frank Baumeister von ersten Gesprächen. Mindestens 2000 qm auf der Viehofer Straße wären z.B. kurzfristig nutzbar.

Die Uni platzt aus allen Nähten – und bangt derzeit um den Bau ihrer neuen Bibliothek, der zwischenzeitlich als sicher galt (WAZ gestern). Derzeit studieren 20.000 Menschen am Campus Essen, baulich ausgelegt ist die Uni für 8700. Ganz gleich, ob die neue Bibliothek als Verbindung zur Nord-City nun kommt oder nicht: Mehr Platz braucht die Hochschule so oder so. „Der Uni fehlen 28000 Quadratmeter Fläche“, sagt Bibliotheks-Chef Albert Bilo, „der Bibliothekallein 3500.“ Uni-Sprecherin Beate Kostka: „Grundsätzlich ist die Uni stark daran interessiert, geeignete Räume in der City zu mieten, um dort präsent zu sein.“

Quelle: WAZ vom 22.01.2010 / Lokales

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Soll die Verbindung zur City herstellen: Ein Bibliotheks-Turm - ob er kommt, ist unklar. Aber: Mehr Platz braucht die Uni auf jeden Fall.
Neuer Versuch: Verantwortliche der ISG, vorne die neuen Quartiersmanagerinnen
T. Lepak von Kostka & C. Lemke.
WAZ-Foto: Oliver T. Mueller